Kommunistische Jugend Schweiz

Die grosse proletarische Kulturrevolution

MLGS. Am 8. August 1966 wurde vom Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas die grosse Proletarische Kulturrevolution beschlossen. Kaum ein Ereignis in der Geschichte des Sozialismus ist dermassen Objekt der derzeit wieder aufblühenden antikommunistischen Hetze.

Im Sozialismus geht der Klassenkampf weiter. Die Diktatur des Proletariats muss sich durchsetzen gegen alle Versuche der alten Ausbeuterschichten, wieder an die Macht zu kommen, und gegen Versuche neuer BürokratInnen den Sozialismus zu verraten. Zehn Jahre zuvor, mit dem zwanzigsten Parteitag 1956, war in der Sowjetunion von der Chruschtschow- Clique die Restauration des Kapitalismus eingeleitet worden. Die KP Chinas unter Führung Mao Zedongs kritisierte diese Entwicklung grundsätzlich und gab so in der komplizierten neuen Lage den RevolutionärInnen auf der Welt Rückhalt.

Die Massen mobilisieren
Auch in China drohte die Gefahr einer revisionistischen Entwicklung durch FunktionärInnen in der Kommunistischen Partei, die ihre Machtbefugnisse und die Arbeitsbedingungen im Verwaltungsapparat der Partei, der Wirtschaft und des Staates zur Befriedigung selbstsüchtiger Interessen ausnutzten. Die von Mao Zedong eingeleitete Kulturrevolution setzte im politischen Überbau der Gesellschaft an. Eine entscheidende Schlussfolgerung war, die ArbeiterInnenklasse und das Volk in China zu mobilisieren für die Verteidigung des Sozialismus. «Eine gute Verwirklichung der ideologischen Arbeit bedeutet die Entfaltung der Kräfte des Menschen in der sozialistischen Gesellschaft. Die Macht des sozialistischen Systems beruht im Endeffekt auf dieser Basis sowie auf dem Enthusiasmus der breiten Massen für den Sozialismus. Wenn wir imstande sind, die Kraft der Menschen und die Begeisterung der Massen für den Sozialismus vollständig zur Geltung kommen zu lassen, dann werden die Positionen unserer Revolution und unseres Aufbaues stets unüberwindlich bleiben.»
Die Kulturrevolution, bei der es vor allem darum ging, das sozialistische Bewusstsein zu erhöhen, bewegte tatsächlich die «Seele der Menschen».

«Dem Volke dienen»
Insbesondere die in «Roten Garden» organisierten Jugendlichen kritisierten auf grossen Wandzeitungen und Massenversammlungen bürgerliche Inhalte und Methoden, reaktionäre Politik und bürokratische Missstände im Bildungs-, Kultur und Wissenschaftsbereich. Eine Bewegung zur Orientierung an den revolutionären Mao-Zedong-Ideen und zur Erlernung der dialektischen Methode ergriff Millionen. Revolutionskomitees in Betrieben und Verwaltungen dienten der Festigung der Diktatur des Proletariats und zogen insbesondere auch junge ArbeiterInnen und viele Frauen zu Verwaltungs- und Regierungsgeschäften heran. Die führende Rolle der ArbeiterInnenklasse wurde durch diese von ArbeiterInnen geprägten Komitees in Schulen und Universitäten gestärkt. Umgekehrt wurden LehrerInnen und ProfessorInnen, aber auch ParteifunktionärInnen verpflichtet, sich regelmässig an körperlicher Arbeit zu beteiligen.
Schulen und Hochschulen gründeten eigene Betriebe, Grossbetriebe gründeten eigene Schulen und Hochschulen. SchülerInnen und LehrerInnen, StudentInnen und ProfessorInnen beteiligten sich gemeinsam mit ArbeiterInnen und IngenieurInnen an der produktiven Arbeit. Die enge Zusammenarbeit zwischen leitenden Kadern, TechnikerInnen und ArbeiterInnen beim sozialistischen Aufbau führte nicht nur zu bedeutenden Fortschritten in Wissenschaft und Technik, sondern es wurden auch Hunderttausende, ja Millionen neuer Fachkräfte aus der ArbeiterInnenklasse herangebildet.
Ende der 1960er Jahre mobilisierte die revolutionäre Führung Chinas acht Millionen städtische Jugendliche, nach ihrem Schulabschluss in entlegene und rückständige Landesteile zu gehen, um dort von den BäuerInnen zu lernen und mit ihren Kenntnissen den ökonomischen, politischen und kulturellen Aufbau zu unterstützen. StudentInnen wurden nicht länger nach ihren Prüfungsleistungen ausgewählt, sondern von ihren Arbeitskollektiven zum Studium delegiert.
Unter der Losung «Dem Volke dienen» arbeiteten sie dort, wo sie am dringendsten gebraucht wurden, nicht dort, wo es für sie am interessantesten, bequemsten oder einträglichsten war. So wurde die Jugend erzogen, sich in der Produktion, in der wissenschaftlichen Arbeit und im ideologisch-politischen Kampf an die Spitze des gesellschaftlichen Fortschritts zu stellen. Noch bedeutender war, dass die organisierte Jugend zu einer Macht wurde, die die revolutionäre Linie im sozialistischen Aufbau repräsentierte, sie unter den Massen im ganzen Land verankerte und gegen den bürokratischen und reaktionären Kurs durchsetzte.

Für einen neuen Anlauf zum Sozialismus
Mit den Revolutionskomitees auf allen Ebenen der Gesellschaft entstanden neue Machtorgane der Diktatur des Proletariats. Das war kein Prozess, bei dem jeder gleich Beifall klatschte. Heftige Intrigen und Gegenangriffe kamen von BürokratInnen und Intellektuellen, die ihre privilegierten Posten gefährdet sahen. Wie nicht anders zu erwarten, war das Munition für Sperrfeuer von den KapitalistInnen auf der ganzen Welt – darunter auch die neue Bourgeoisie der Sowjetunion. Die maoistischen MarxistInnen bestreiten nicht, dass es in den sozialistischen Ländern zu Fehlern, Fehlentwicklungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gekommen ist. Sie haben selbst das grösste Interesse an der lückenlosen Aufklärung, um daraus für die Zukunft zu lernen. Sie sind aber in der Lage, zwischen antikommunistischer Hetze, unwissenschaftlicher Geschichtsklitterung und Manipulation der öffentlichen Meinung auf der einen Seite und einer kritisch-selbstkritischen Aufarbeitung der Erfahrungen der ersten sozialistischen Länder in ihrem historischen Zusammenhang vom Standpunkt des Kampfes für die Befreiung von Ausbeutung und Unterdrückung auf der anderen Seite zu unterscheiden.
Bei vielen Menschen stiess die Kulturrevolution auf grosse Beachtung und Begeisterung. RevolutionärInnen in vielen Ländern orientierten sich daran und begannen mit dem Neuaufbau marxistisch-leninistischer Parteien. Die Kulturrevolution «war eine historisch bisher einmalige neue Form des Klassenkampfs. In ihrer Kühnheit, ihrer Massenmobilisierung und ihren hervorragenden Ergebnissen begeisterte sie die revolutionäre Arbeiterbewegung und insbesondere die Jugend der ganzen Welt und gab ihr neuen Auftrieb».
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