Kommunistische Jugend Schweiz

Immer vorwärts schreitend

Edgar Woog hat sein ganzes Leben in den Dienst der kommunistischen Bewegung gestellt. Von 1949 bis 1968 stand Woog als Sekretär an der Spitze der Partei der Arbeit der Schweiz. Für kurze Zeit war er sogar in der Regierung der Stadt Zürich, bis ihn eine Intrige aus dem Amt entfernte. Dieses Jahr feiern wir seinen 120. Geburtstag.

Edgar Woog wurde am 24. April 1898 in Liestal geboren, als siebter, jüngster Sohn einer wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie. Im weltoffenen, grossbürgerlichen Elternhaus verlebte er eine glückliche Kindheit und Jugendzeit. Die Schulen besuchte er im nahegelegenen Basel. Gemäss der Familientradition sollte der hoffnungsvolle jüngste Sohn der Familie Woog den Kaufmannsberuf ergreifen, und der Vater schickte ihn schon früh in eine kaufmännische Lehre nach Hamburg.

Woog fühlte sich nicht glücklich an dieser Lehrstelle. Da unterbrach der ausbrechende erste imperialistische Weltkrieg die Ausbildung. Woog musste im Sommer 1914 in die Schweiz zurückkehren.
1916 trat Woog, der sich zum Sozialisten entwickelt hatte, der Freien Jugend bei. 1918 wurde er Mitglied der Sozialdemokratischen Partei von Basel. Zweifellos haben die Eindrücke, die der verbrecherische Weltkrieg hervorriefen, und der Ausbruch der Revolution in Russland, die persönliche politische Entwicklung des jungen, sensiblen und Gerechtigkeit liebenden Menschen stark beschleunigt.

Gründer der KP Mexikos
1920 wurde Woog von seiner Familie nach Mexiko geschickt. Er sollte dort bei seinem Bruder arbeiten und seine kaufmännische Ausbildung abschliessen. Daraus ist nichts geworden. Dafür lernte er glänzend Spanisch, bildete sich aus als Bibliothekar, wurde Streikführer, Gewerkschaftsorganisator und schliesslich Gründungsmitglied des Kommunistischen Jugendverbandes und der Kommunistischen Partei Mexikos. Das Vertrauen in den jungen Schweizer war so gross, dass sie ihn als Delegierten an den 3. und 4. Kongress der Kommunistischen Internationale nach Moskau sandten. Hier wurde er als Vertreter der lateinamerikanischen Parteien in das Exekutivkomitee der Internationale gewählt. 1925 wurde er Mitglied der Internationalen Kontrollkommission, und 1928 wählte ihn die Internationale zum Sekretär des westeuropäischen Büros in Berlin.
1931 und 1932 war er in Spanien tätig, wurde dort verhaftet und längere Zeit in Barcelona eingesperrt. Erst 1935 kehrte Woog in die Schweiz zurück. Er liess sich in Zürich nieder, gründete die Buchhandlung Stauffacher und stellte sein ganzes Wissen und Können in den Dienst der Kommunistischen Partei der Schweiz. Nach der Entfesselung des blutigen Bürgerkriegs in Spanien durch den Franco-Faschismus zog es Woog zu den FreiheitskämpferInnen. Als Spanienkämpfer wurde Woog in der Schweiz verurteilt und verbüsste 14 Monate Haft. Es sollte nicht die letzte Haft gewesen sein …

Intrige der Bourgeoisie
Der zweite imperialistische Weltkrieg brach aus. Die schweizerische Bourgeoise verbot die Kommunistische Partei und die Sozialistische Jugend. Woog gehörte zur Leitung der illegalen Partei, die den Kampf gegen den Faschismus fortsetzte. Wegen verbotener kommunistischer Propagandatätigkeit wurde er zu drei Monate Gefängnis verurteilt. 1942 wurde fast die ganze Zürcher Parteileitung verhaftet und Woog verbrachte noch einmal sechs Monate hinter Gitter, mit Hungerstreik gegen diese Ungerechtigkeit kämpfend. Nach der Schlacht bei Stalingrad wurde schlagartig auch die Situation der AntifaschistInnen in der Schweiz besser. Die Rote Armee führte siegreich ihre Offensive gegen Westen aus. Woog gehörte zu jenen, die nie vergessen haben, dass die Vernichtung des Hitler-Faschismus durch die Sowjetunion und ihre Verbündeten alle Völker vor dem Abstieg in die Barbarei bewahrte.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Partei der Arbeit gegründet. Woog wurde Mitglied des Zentralkomitees und der Parteileitung. 1949 wurde er zum Generalsekretär gewählt. An der Spitze der Partei stand er in den schwierigsten Perioden und leitete sie mit Umsicht und Standfestigkeit. 1946 wurde er von der Zürcher Arbeiterschaft in den Stadtrat gewählt, wo er das Bauamt mit grosser Sachkenntnis leitete. Aber das Besitzbürgertum wollte keinen Kommunisten in der Stadtregierung dulden. Durch eine Polizeiprovokation im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit bei der «Koordinationsstelle für Nachkriegshilfe» wurde ein politischer Prozess aufgezogen, um Woog um Amt und Ehren zu bringen, und er wurde erneut ins Gefängnis gesteckt. Die bürgerlichen Gerichte spielten bei diesem Prozess gegen ihn bei der «Koordinationsstelle für Nachkriegshilfe», vor allem gegen Edgar Woog, eine traurige Rolle.
Als Antwort auf die Intrige der Zürcher Bourgeoisie wählte die Arbeiterschaft Woog in der Nationalrat und in den Gemeinderat, denen er bis Mitte der 50er Jahre angehörte.
1956, anlässlich der ungarischen Ereignisse, wurde eine progromartige Hetze gegen unsere GenossInnen entfesselt, die dazu führte, dass das mühsam als Existenz aufgebaute Geschäft von Woogs Ehepartnerin Lydia zertrümmert wurde. Es folgte eine schwere Zeit für die Familie Woog und für die PdA, politisch wie wirtschaftlich.
Am 9. Parteitag, Ende 1968, trat Edgar Woog altershalber von seinem Posten als Sekretär der PdAS zurück. Er wurde zum Präsidenten der Zentralen Kontrollkommission der Partei gewählt. Er zog sich nicht zurück. Er widmete sich dem Bildungsausschuss der PdA Zürich, wissend, dass die Schulung und Heranbildung neuer, junger Kader für die Partei, die vorwärts schreitet, von grosser Bedeutung ist. Am 20. Juni 1973 starb Edgar Woog.

Quelle: vorwärts-Zeitung