Kommunistische Jugend Schweiz

Unterwerfung der Arbeiterschaft

Die Revolutionen in Deutschland, Österreich und Ungarn 1918/19 machten Hoffnung auf ein sozialistisches, antiimperialistisches Europa. Dank der Sozialdemokratie und militärischen Interventionen wurden sie besiegt und die Länder wieder in die kapitalistische Wirtschafts- und Wertegemeinschaft integriert.

Schon Anfang 1918 war die Revolution in Finnland gestartet, es gab Massenstreiks und Räterepubliken in Ungarn, Österreich und Deutschland, im Sommer und Herbst kam es zu Unruhen in Japan und in Bulgarien, zu einem Volksaufstand in Korea, zu Massenstreiks und revolutionären Bewegungen in Italien, Frankreich, Rumänien, den USA, China und Indien. In der Schweiz hatte der landesweite Streik im November kurz- und langfristig demokratische Reformen des altliberalen Politsystems sowie Arbeitsfrieden und Gesamtarbeitsverträge zur Einbindung der Arbeiterschaft in den bürgerlichen Staat und die Landesverteidigung zur Folge.
Die überlebenden Soldaten in Deutschland, Österreich und Ungarn hatten mehr als genug von den Schlächtereien des Weltkriegs, von preussischem Kadavergehorsam, Nötigung, Hunger, Krankheit und Dreck und wollten ein besseres und gerechteres Leben. Die progressiven Soldaten organisierten sich vor den Angriffen von Rechtsextremen, besetzten, streikten, demonstrierten und schossen wenn nötig. Bald mischten auch stramm rechte, reaktionäre ArbeiterInnen und Soldaten wie der mit der Sozialdemokratie verbündete Freikorps-Hauptmann Waldemar Pabst mit, der die Erschiessung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht anordnete. Oder wie der auf Vorschlag eines jüdischen Offiziers mit dem Eisernen Kreuz Zweiter Klasse ausgezeichnete Meldegänger Adolf Hitler. Während und nach seiner Spitzeltätigkeit in der Münchner Räterepublik begann er, ArbeiterInnen und Kader zu gewinnen für Faschismus, Weltkrieg und ein weiteres grossdeutsches Reich.

Ende der Monarchien
Revolutionäres Bewusstsein war erst am Entstehen und die gezielt gegen sozialliberale Bewusstseinstrübungskampagnen arbeitende KPD gründete sich erst am 1. Januar 1919. Deshalb ist es verständlich, dass die Bewegung gespaltet wurde, dass sich ein Teil zufrieden gab mit den neuen bürgerlichen Freiheiten, welche die Sozialdemokratie mit den alten Eliten aushandelte und durchsetzte. Auf der Strecke blieben: Diktatur des Proletariats über den Klassenfeind, partizipative Demokratie, Sozialisierung von Land, Vermögen, Betrieben sowie Banken. Ergebnisse der Demonstrationen, Massenstreiks und den Aktivitäten der ArbeiterInnen- und Soldatenräte in vielen Städten, Garnisonen sowie Betrieben waren die Beendigung des Ersten Weltkriegs, die Abdankung der Kaiser Wilhelm II. und Karl I. von Österreich-Ungarn. In Deutschland etablierte sich dank des konterrevolutionären Intrigierens, Ausbremsens und der Repression der SPD-Kader Fritz Ebert, Philipp Scheidemann und (nach eigenen Angaben «Bluthund») Gustav Noske im Bündnis mit Industriebürgertum, Grossgrundbesitzern, Reichswehr und Freikorps die bürgerliche Republik.

Intervention und Gegenrevolution

Die November- und Januarrevolution im Norden Deutschlands war im Frühjahr 1919 bereits durch das Bündnis von Bürgertum, Sozialdemokratie, Reichswehr und Freikorps niedergeschlagen. In Ungarn wurde zu dieser Zeit die bürgerlich-demokratische «Asternrevolution» zur sozialistischen Räterevolution. Im März 1919 vereinten sich SozialdemokratInnen und KommunistInnen zur Ungarischen Sozialistischen Partei und übernahmen gemeinsam die politische Macht. Die Räterepublik bestand 133 Tage und wurde mit einer militärischen Intervention der Siegermächte Frankreich, Grossbritannien, USA und der Nachbarstaaten Tschechoslowakei, Rumänien und Jugoslawien beseitigt. Die ungarische Gegenrevolution und die Grossgrundbesitzer kamen an die Macht. Nach der Niederschlagung der Räterepublik folgte der schrittweise Übergang Ungarns zum faschistischen Horthy-Regime.

Tröstende bürgerliche Illusionen
Die Revolutionen wurden in Deutschland, Österreich und Ungarn einzeln versenkt, die sozialistische Revolution gelang nur in Russland. Sie hätte in Österreich am ehesten in den Industriegebieten Ober- und Niederösterreichs und der Steiermark eine Chance gehabt, aber nicht in den ländlichen Regionen Vorarlberg, Salzburg und Tirol. Die Gebiete, in der Räterepubliken politisch möglich gewesen wären, hätten eine Verbindung bilden können zwischen den sozialistischen Republiken München und Ungarn. Bürgerlich-kapitalistische Interessen aber waren zu mächtig, die Arbeiterschaft liess sich spalten, austricksen, niederschlagen und wurde mit tröstenden bürgerlichen Illusionen wieder in ihre unterlegene Position in die kapitalistische Wirtschaft, Gesellschaft und Politik eingegliedert. Der harmonische konterrevolutionäre Dreiklang aufstrebendes Bürgertum, alte Eliten und Rechtsextreme führte dazu, dass wenige Jahre später der Faschismus in Europa durchmarschieren konnte. Der sozialdemokratische deutsche Wehrminister Gustav Noske trug aktiv dazu bei, indem er ab Dezember 1918 Freikorps aufstellte, die im Lauf des Jahres 1920 in die Wehrmacht überführt wurden und ihre maximale Truppenstärke mit 400 000 Mann erreichten. Unterstützt wurden die rechtsextremen Truppen von hunderttausenden Bewaffneten privater Bürgerwehren.

Quelle: vorwärts-Zeitung