Kommunistische Jugend Schweiz

150 Jahre Pariser Kommune

Nachdem Frankreich im September 1870 einen weiteren Krieg gegen Preussen verliert, erbebt sich Paris, stürzt das Kaisertum und erklärt Frankreich zur Republik – ungeachtet der Preussen vor den Toren. Es wird eine neue, bürgerlichen Regierung eingesetzt und zum Schutz vor Übergriffen durch ebendiese Regierung werden von radikalen Kräften kontrollierten Überwachungsausschüsse eingesetzt. Es herrscht eine faktische Doppelherrschaft der bewaffneten, proletarischen Nationalgarde und der Überwachungsausschüssen. Der Gegensatz vom proletarischen Volk zur bourgeoisen Regierung wird deutlich. Der im März des nächsten Jahres folgende Versuch der Regierung und Generäle, die Nationalgarde zu entwaffnen, scheiterte. Dies ist der eigentliche Ausbruch der Pariser Kommune, die für 72 Tage erhalten bleiben sollte.

Im März 1871 übernahm der Zentralausschluss der Nationalgarde die Regierung in Paris und wenig später fanden Wahlen statt – ungeachtet der Proteste der Pariser Bezirksvorsteher. Am 26. März 1871 wurde die Pariser Kommune gewählt und zwei Tage später proklamiert. Im Verlauf bestätigte die Kommune ihren proletarischen Charakter durch eine Vielzahl von Verordnungen wie der Trennung von Staat und Kirche, der Pausierung der Mieten, Übergabe von Werkstätten und Fabriken an die Arbeitenden, der vollkommen Wählbarkeit, der Absetzbarkeit aller Amtspersonen und der Beseitigung aller finanzieller Privilegien: Alle Amtspersonen erhielten einen Arbeiterlohn. Der Terror der Bourgeoisie wurde durch den revolutionären Terror ersetzt.

Im Angesicht der sozialistischen Bedrohung hatten die französischen und preussischen Kräfte einen Waffenstillstand vereinbart. Die Nationalversammlung residierte in Versailles und genoss den Schutz Bismarcks. In der Blutwoche vom 21.-28.5. wurde das zähe, revolutionäre Volk in Paris niedergeworfen. Die Revolutionsführer werden ohne Verurteilung erschossen, die Zahl der insgesamt Ermordeten schwankt zwischen 15 bis 30’000 Toten.
Die Pariser Kommune hatte es nicht geschafft, den Widerstand konsequent niederzuhalten und die Revolution auf die Provinzen zu übertragen: Die proletarische Bewegung konnte die Bauernschaft nicht miteinbeziehen und erreichte somit keine Volksmehrheit.

Die Pariser Kommune ist als erster Versuch einer proletarischen Revolution Vorbotin einer neuen Gesellschaft. Sie lehrt uns, dass wir den Staatsapparat nicht reparieren oder nach unserem Gutdünken umgestalten können, sondern ihn zerstören müssen. Der alte Staatsapparat stammt aus Zeiten der alten Produktionsweise, wurde für diese errichtet und arbeitet für diese, ist Instrument der Bourgeoisie zur Unterdrückung der Arbeiterklasse. Im Vorwort zur deutschen Ausgabe von 1872 des Manifests der Kommunistischen Partei schreiben Marx und Engels: «Namentlich hat die Kommune den Beweis geliefert, dass ‘die Arbeiterklasse nicht die fertige Staatsmaschine einfach in Besitz nehmen und sie für ihre eigenen Zwecke in Bewegung setzen kann’». In ‘Staat und Revolution’ schreibt Lenin, dass es eine der Hauptaufgaben des Proletariats ist, «die bürokratisch-militärische Maschinerie zu zerbrechen». Die Pariser Kommune zeigt auf, wie sich die verschiedenen Ideologien der Arbeiterklasse gegenseitig hemmen, statt sich zu fördern und wie sich die bürgerlichen und reaktionären Kräfte gegen den Sozialismus als gemeinsame Bedrohung vereinen. Unsere Befreiung können wir nur mit den Waffen erlangen. Wenn wir keine Sklaven sein wollen, dürfen wir uns nicht entwaffnen lassen.

Der Text wurde von «Emma» geschrieben.

Quellen:
Max Beer, Allgemeine Geschichte des Sozialismus und der Sozialen Kämpfe, 1971, Kapitel VIII: Die Zeit der Ersten Internationalen, Unterkapitel 3: Die Pariser Kommune
Friedrich Engels, im Vorwort zu Der Bürgerkrieg in Frankreich
Marx und Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, 1848, überarbeitete Version von 1872
Lenin, Staat und Revolution, III. Kapitel: Die Erfahrungen der Pariser Kommune vom Jahre 1871. Die Analyse von Marx