Kommunistische Jugend Schweiz

«Mein Ziel? Die Revolution!»

Anfang Januar ist im Kanton Waadt eine neue Sektion der Kommunistischen Jugend/Jeunes POP entstanden. Als ein erstes Projekt plant sie eine Kampagne für einen kostenlosen ÖV. Ein Interview mit ihrem Gründungsmitglied Gaël Vuillème (20).

Wie lange bist du schon Mitglied der PdA-POP? Was sind deine politischen Ziele?
Gaël Vuillème: Ich bin seit bald zwei Jahren Mitglied in der Partei. Die KJ Neuchâtel habe ich zum ersten Mal an einer Solidaritätsdemo getroffen für die streikenden Pfleger*innen des Spitals «La Providence» in Neuchâtel. Seither nahm ich regelmässig an ihren Treffen und Aktivitäten teil.
Meine Ziele? Ich würde sagen, die Revolution! Wir müssen die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit ändern, wir müssen die Macht stürzen, welche die Patrons und die Bourgeoisie im Allgemeinen besitzen – politisch, wirtschaftlich und kulturell. Wir müssen eine Welt aufbauen, die auf Solidarität basiert, wo Gesundheit und Bildung kein Luxus sind, wo die Demokratie nicht vor dem Fabriktor oder dem Büro Halt macht. Und diese Gesellschaft hat einen Namen: Sozialismus.
Ein kurzfristigeres Ziel könnte aber eine kostenlose, qualitativ hochstehende Ausbildung für alle sein. Tatsächlich wird in vielen Kantonen an den Bildungsausgaben gespart, sehr oft mit Unterstützung der SP. Man sieht immer wieder, dass die Parteien, von der extremen Rechten bis Mitte-«links», jederzeit bereit sind, die Studiengebühren zu erhöhen, an der ETH Lausanne zum Beispiel erst vor Kurzem. In zahlreichen Kantonen wird der Zugang zum Studium erschwert und die Stipendien werden gesenkt. Nur wenn man den Jungen die Möglichkeit gibt, ihren Weg selber zu wählen, werden sie ihr Potenzial voll ausnutzen können.

Du stammst aus dem Kanton Neuenburg; wie wichtig glaubst du, ist die Zusammenarbeit zwischen den Sektionen der PdA-POP?
Für die Parteijugend scheint mir eine Zusammenarbeit unentbehrlich. Sie ist zwar einfacher mit den Romands, aber sie ist auch möglich mit den Deutschsprachigen. Unsere Bildungsweekends wie der Rote Oktober in Bern und die Form’action in Neuchâtel sind gute Beispiele dafür. Bei unserer geplanten Kampagne für einen kostenlosen ÖV werden wir auch Material der Neuenburger*innen benutzen. Auch, dass sich das Logo der Jeunes POP demnächst ändern wird, darüber diskutieren wir untereinander in den Sektionen Neuchâtel und Waadt. Selbstverständlich sind Verbesserungen möglich: wir könnten unsere Flyer, Plakate und anderes Material austauschen. Aber bevor wir eine starke nationale Jugend der PdA-POP aufbauen, sollten wir, glaube ich, unsere Sektionen stärken. Wir haben noch nicht genug Mitglieder und damit Kraft, um auf der nationalen Bühne zu spielen. Das ist ein Ziel, das man im Kopf behalten muss. Wir dürfen uns nicht damit zufrieden geben, nur Kontakte mit anderen Jugendlichen zu haben, es ist auch äusserst wichtig, dass wir nahe an der PdA-POP bleiben. Wir haben eine nationale Partei und können davon profitieren, aus ihren Erfahrungen zu lernen. Wir werden uns deshalb auch aktiv an der Kampagne zur Volksinitiative für die Altersvorsorge der PdA beteiligen. Wir kämpfen damit für die AHV unserer Grosseltern, unserer Eltern und für unsere in ein paar Jahren! Die generationenübergreifende Solidarität gerät allzu oft in den Hintergrund. Was uns vereint, ist nicht unser Jahrgang, sondern unsere Lebensbedingungen und unser Wunsch nach Veränderung.

Du bist Gründungsmitglied der KJ Waadt. Was habt ihr vor, was für Projekte stehen an?
In der ersten Hälfte des Monats Februar werden wir mit einer Kampagne für einen kostenlosen ÖV für Lehrlinge, Schüler*innen und die unter 25-Jährigen beginnen. Dazu werden wir eine Petition lancieren und Unterschriften sammeln gehen an möglichst vielen Schulen, aber auch auf den Strassen im Kanton. Wir stehen aus verschiedenen Gründen hinter unserem Projekt. Erstens sind die Abonnements sehr teuer (350 Franken für ein Abonnement mit zwei Zonen zum Beispiel). Wären sie kostenlos, würden sie das Budget der Jungen und Familien entlasten. Es würde vielleicht auch den einen oder die andere Jugendliche davon abhalten, sich ein Auto zu kaufen, was uns zum zweiten Aspekt unserer Kampagne bringt: Umweltschutz. Die Parteien reden viel darüber, wir schlagen eine konkrete Massnahme vor, die nicht viel kostet und die Leute dazu bringt, öffentliche Transportmittel zu benutzen. Der letzte Punkt berührt auch das Recht auf Mobilität. Wir alle bewegen uns fort und sind gezwungen, Verkehrsmittel zu benutzen, deshalb muss der ÖV – wie die Bildung und die Gesundheit – gratis sein.
Wir hoffen, im Laufe der Kampagne auch neue Mitglieder zu gewinnen. Falls eine Leserin oder ein Leser jemanden kennt, der Interesse hätte, bei uns mitzumachen, soll er/sie sich doch bitte melden! Eine der Aufgaben der Kommunistischen Jugend ist die politische Bildung. Wir lernen gerade, wie man eine Kampagne führt, aber es ist ebenso wichtig, sich theoretisch zu bilden. Ich würde deshalb sehr gerne einen kleinen Kurs über die Parteigeschichte oder die Grundlagen des Marxismus organisieren.

Die Jugend interessiert sich oft nicht für die öffentlichen Debatten und nimmt nicht daran teil… Was hätte sie davon, wenn sie sich einbringt?
Zuerst einmal glaube ich nicht, dass es sich um ein Generationenproblem handelt, sondern um ein gesellschaftliches. Die Jungen interessieren sich für Politik. Das Problem ist allgemeiner: Es sind Personen mit wenig Bildung, die nicht wählen. Das hat seine Gründe. Erstens haben die Besitzenden keinerlei Interesse daran, dass sich etwas ändert. Im Gegenteil! Dann gibt es das Problem mit dem Zugang zu Informationen. Die Medien in der Schweiz sind in den Händen mächtiger Gruppen konzentriert, die ganz offensichtlich die Interessen der Bürgerlichen vertreten. Weshalb erscheinen wohl die Kommuniqués der PdA-POP nicht in den Zeitungen? Ausser dem Zugang zu Informationen stellt sich auch die Frage nach ihrer Qualität. Ein Artikel in den «20 Minuten» oder auf Facebook lässt oft zu wünschen übrig.Was hätten wir also von einer pluralistischen, offenen Presse? Einerseits die Achtung unserer Rechte, andererseits eine Möglichkeit zur Aneignung von Neuem.

Ein Wort zum Abschluss?
Mach bei uns mit! Wenn du unter dreissig bist, musst du in die Kommunistische Jugend. Wenn du älter bist, geh‘ in die PdA-POP, wo wir uns in einigen Jahren wiedertreffen werden. Und zum Schluss: Vorwärts zum Sozialismus!