Kommunistische Jugend Schweiz

Gestärkt und gebildet

Die Westschweizer Sektionen der Kommunistischen Jugend haben am Osterwochenende das Bildungsseminar Form’action veranstaltet. Neben interessanten Veranstaltungen gab es einen guten Austausch mit Genoss*innen aus der ganzen Schweiz. Ein Erlebnisbericht.

Erfreulicher Anfang
Als wir am Freitagabend am Veranstaltungsort in Neuchâtel ankamen, waren wir beeindruckt davon, wie viele Genoss*innen sich an der Diskussionsrunde über die Bildungspolitik beteiligten. Es waren über 100. Das kam wohl daher, dass bekannte Youtuber aus Frankreich teilnahmen. Insgesamt waren wir sehr erfreut über die Beteiligung unserer Mitglieder, denn es waren deutlich über 50 Genoss*innen, die am Bildungswochenende teilgenommen haben. Das zeigte uns, dass wir ganz klar Fortschritte gemacht haben und unsere Organisation stärker wird. So konnten wir eine Grosszahl neuer Mitglieder begrüssen, etwa solche aus der neugegründeten Sektion Fribourg.

Lehrreiche Diskussionen
Es gab ein breites Spektrum an Veranstaltungen. Es wurde darüber diskutiert, welche Analysen und Antworten der Marxismus auf die ökologischen Probleme hat. Andere beteiligten sich an Diskussionen über die Geschichte des Feminismus und den Zusammenhang von Klassenkampf und Revolution. Ich nahm an der Veranstaltung über die «Dialektik der Möglichkeiten» teil, die uns unter anderem am Beispiel Kubas erklärt wurde. Die Veranstaltung leitete Tobias von der Deutschen Kommunistischen Partei, der selbst acht Jahre lang in Kuba lebte und dort den Doktor in Philosophie gemacht hat. Der Begriff «Dialektik der Möglichkeiten» wirkte zuerst einmal abschreckend und warf Fragen auf. Kommt die Dialektik doch aus der Philosophie und beschreibt allgemeine Entwicklungsgesetze, die sowohl in der Natur als auch in der Gesellschaft gültig sind.

Dialektik der Möglichkeiten
Doch Tobias gestaltete die Veranstaltungen anregend und abwechslungsreich, wobei er auch darauf achtete, dass auch kompliziertere Fragestellung verständlich aufgelöst wurden.
Begonnen hat er sehr untypisch mit zwei praktischen Beispielen. Als erstes Beispiel legte eine Person einen Apfel in einen Korb. Zuerst war uns nicht klar, worin der Zusammenhang zwischen der Dialektik und dem Ablegen eines Apfels besteht. Als Erstes mussten wir uns deshalb dazu die Bedingungen für den Prozess (Ablegen des Apfels) anschauen. So muss der Apfel, die Person, die ihn bewegt, und der Korb vorhanden sein. Fehlt eine der Bedingungen, gibt es keine Möglichkeit, dass der Apfel im Korb landen kann. Soweit so klar. Was dieses Beispiel spannend machte, war unter anderem, dass er dabei aufzeigte, worin der Zusammenhang zwischen dem Denken und dem Physischen besteht. Es spielt nämlich eine Rolle, ob es sich allgemein um einen oder den ersten Apfel handelt. Es hat reale Auswirkungen, ob etwas zuerst kommt oder alleine ist. Wenn man dem Beispiel einen weiteren Apfel hinzufügt, ohne jedoch am Anfang zu wissen, dass man diesen später ebenfalls noch bewegen wird. Somit wird erst nachdem der Prozess (Bewegen des Apfel) dieser eine Apfel zum ersten Apfel. Denn würde der zweite nicht existieren, nicht im Nachhinein dazu kommen, so würde er nicht zum ERSTEN Apfel werden. Darin besteht ganz klar ein Widerspruch und trotzdem besteht er. Auch im Weiteren haben wir über den Zusammenhamg von Prozessen und Bedingungen gesprochen. Damit eine Möglichkeit real sein kann, also wirklich werden kann, müssen ihre Bedingungen vorhanden sein. Sonst ist es keine Möglichkeit. Andere Beispiele beschäftigten sich viel mit der Situation und den Möglichkeiten Kubas. Ein Beispiel war die Taktik der Revolutionär*Innen um Fidel Castro, im Befreiungskampf. Sie wussten um ihre Stärken und Schwächen. Zu Beginn waren sie zahlenmässig massiv unterlegen, doch es gelang ihnen das Kräfteverhältnis umzukehren. Ein Element dessen war, dass den gefangenen Soldat*innen kein Leid zugefügt wurde und dass sie sowohl gleichwertiges Essen als auch dieselbe medizinische Versorgung bekamen. Diese Handlung war jedoch nicht nur ein Zeichen der Menschlichkeit, denn sie hatte auch reale Auswirkungen auf die militärische Situation. Dadurch, dass die Soldat*innen davon wussten, war es nicht in ihrem Interesse bis zum bitteren Ende zu kämpfen. Sie haben sich so eher ergeben und wussten, dass die nach ihrer Entwaffnung bald zu ihren Familien zurück können. Somit verwandelte sich die moralische Überlegenheit in militärische Stärke. Dies war nur eines der Beispiel, doch es zeigte die Bedeutung auf, welche die Dialektik der Möglichkeiten hat.
Möglichkeiten können auch geschaffen werden, wenn die Bedingungen nicht optimal scheinen. Die richtige Analyse und Taktik sind von zentraler Bedeutung. Diese Veranstaltung war sehr beeindruckend und ich denke alle Teilnehmer*innen konnten so Einiges daraus mitnehmen. Das trifft ebenso auf das ganze Wochenende zu, ob man sich an die spannenden Veranstaltungen erinnert oder an den Austausch untereinander danach. Die Atmosphäre zeigte mir, dass wir an Stärke dazugewonnen haben. Ich freue mich schon auf die nächste Veranstaltung der Kommunistischen Jugend und auf die nächste Form’action.