Kommunistische Jugend Schweiz

Dorfgemeinschaft als Ideal

Tansania ist vor allem für Safaris und die Massai-Stämme bekannt. Was ist jedoch die Geschichte dieses Staates? Gab es nicht diesen «Afrikanischen Sozialismus» oder «Ujamaa-Sozialismus»? Teil 2 der Reihe «sozialistische Geschichte».

1961 wurde Tanganjika, das Territorium auf dem afrikanischen Festland, unabhängig durch friedliche Verhandlungen. Der eher prowestliche Präsident Julius Nyerere regierte das Land als erster Präsident. Ein moderat kapitalistischer Kurs wurde in der Wirtschaft geführt und eine enge Zusammenarbeit mit anderen Unabhängigkeitsbewegungen in Afrika gefördert.
Sansibar wurde 1963 ebenfalls friedlich unabhängig. Dieses wurde von einem arabischen Sultan regiert, welches die afrikanische Bevölkerung unterdrückte. 1964 fand die sansibarische Revolution statt mit massiver Gewalt gegen die arabische Bevölkerung. Sheik Abeid Amani Karume von der afrikanisch-nationalistischen Afro-Shirazi-Partei regierte mit willkürlicher Gewalt und unterdrückte die arabische Bevölkerung. Zugleich versuchte die Umma-Partei, welche marxistisch ausgerichtet war, unter Abdulrahman Mohamed Babu die sansibarische Revolution weg von ethnischer Gewalt und in Richtung sozialistischer Revolution zu ziehen. Dies misslang grösstenteils jedoch, was zum Verbot und Repression gegen die Umma-Partei führte.

Arusha-Deklaration und Ujamaas
Um den Einfluss der Umma-Partei in Ostafrika zu unterbinden, beschlossen Nyerere und Karume Tanganjika mit Sansibar zu vereinigen: Die Vereinigte Republik Tansania wurde gegründet. Dies wurde auch auf Druck der USA getan. Offizieller Grund warem die Förderung des Antikolonialismus und afrikanische Solidarität.
Um an der Macht zu bleiben, proklamierte 1967 in der Stadt Arusha Nyerere den «Afrikanischen Sozialismus». In ganz Afrika wurde der Sozialismus sehr schnell sehr populär, da nach zwei solcher Revolutionen in Algerien und Ghana klar wurde, dass Sozialismus das Gegenteil des Kolonialismus war. Dies nutzte Nyerere gezielt für den Machterhalt von sich selbst und seiner Partei «Chama Cha Mapinduzi» aus. Dies wurde von den USA toleriert.
Wie sah dieser «Afrikanische Sozialismus» aus? Als Grundsatz wurde eine Idealisierung der präkolonialen Gesellschaft genommen: Damals hätten die AfrikanerInnen in Dorfgemeinschaften gelebt, welche als «Ujamaa» bekannt war (Ujamaa bedeutet wörtlich Familie oder Gemeinschaft). Man versuchte nun, solche Dorfgemeinschaften zu gründen, die die Grundlage der neuen Gesellschaft bilden würden. Diese brachten lokales Land in gemeinsamen Besitz und verwalteten diese gemeinsam. Dieser Prozess wurde zunächst freiwillig durchgeführt und führte zu einer Abnahme der Armut und Zunahme des Alphabetisierungsgrades der Bevölkerung, die dort lebten. Jedoch war dies nur ein kleiner Teil Tansanias, der so funktionierte. Die meisten BäuerInnen wollten ihr Land behalten und hatte kein Interesse daran, dieses mit anderen gemeinsam zu verwalten. Für die Regierungspartei war diese Situation nicht zufriedenstellend, was zur Einführung von Zwangsmethoden führte. Mit willkürlichen Enteignungen und Gewalt sollte das ganze Volk in solche Dörfer gebracht werden. Diese Politik hatte desaströse Folgen für die Wirtschaft.
Die marxistische Umma-Partei wollte eine andere Wirtschaftspolitik für Tansania: Lediglich Schlüsselindustrien wären zunächst zu verstaatlichen gewesen. So könnte die Industrialisierung beschleunigt und Kleinunternehmen gefördert werden. Die Umma-Partei hätte den Fokus auf die Modernisierung der Landwirtschaft und den Aufbau der Industrie gelegt. Die Wirtschaft wäre erst graduell und durch Überzeugung der Bevölkerung kollektiviert worden. 1972 wurde die Führung der Umma-Partei verhaftet unter der Anschuldigung, den sansibarischen Präsidenten Karume ermordet zu haben.

Neoliberaler Kurswechsel
Aufgrund der Folgen des Ujamaa-Systems wurde in der Mitte der 1980er ein radikaler Kurswechsel angekündigt: Neoliberalismus. Die verstaatlichten Betriebe wurden privatisiert, die Dorfgemeinschaften aufgelöst und die Sozialausgaben gekürzt. Kurzfristig war diese Politik sehr beliebt, erzeugte jedoch neue Probleme: Da sogar das Bildungssystem privatisiert wurde, nahm das Bildungsniveau für die mehrheitlich arme Bevölkerung ab. Die absolute Mehrheit der Wirtschaft befand sich nun in ausländischer Hand, was zum Abzug sämtlicher Gewinne aus Tansania führte. Noch heute ist das Land sehr arm, trotz oder wegen 30 Jahren Neoliberalismus.

Eric, KJ Zürich