Kommunistische Jugend Schweiz

Revolution und Reformen

Von Kuba kennt man Strände, Rum, Zigarren und Revolution. Wie wurde Kuba zu dem, was man heute kennt? Teil 3 der Reihe «sozialistische Geschichte».

Vor der kubanischen Revolution war Kuba im Wesentlichen ein Casino für US-amerikanische MillionärInnen: Glücksspiele, Prostitution, Korruption und Rum-Produktion dominierten die Wirtschaft. Zudem herrschte der in Südamerika typische «Machismo» – die lateinamerikanische Interpretation von Patriarchat –, Rassismus und Homophobie vor. Als die soziale Situation zu Beginn der 1950ern langsam explosiv wurde, übernahm General Fulgencio Batista mit Unterstützung der USA die Macht in Kuba. Vor diesem Hintergrund wurde Fidel Castro für seine Opposition zum Militärregime verhaftet. Er konnte sich jedoch durch sein Wissen als Anwalt und durch seine überzeugende Redekunst befreien. Anschliessend wurde die 26.-Juli-Bewegung gegründet, die eine Einheitsfront aller Oppositionellen gegen Batista darstellte.
Nach mehreren Jahren Guerillakrieg konnte die Bewegung die Macht in Kuba im Jahre 1959 erfolgreich übernehmen. Nun stellte sich die Frage, welche Richtung die kubanische Revolution nehmen sollte.

Eine grosse Debatte
Erst einige Monate nach der Machtübernahme wurde der sozialistische Kurs der Revolution proklamiert; teils aus Notwendigkeit, da die USA die Beziehungen gegenüber Kuba abgebrochen hatten und Kuba neue Verbündete brauchte, teils aus Überzeugung, da zahlreiche KommunistInnen an der Revolution teilgenommen hatten (Che Guevara zum Beispiel). Zudem verhängten die USA ein Handelsembargo auf Kuba, welches bis heute der kubanischen Wirtschaft Milliarden kostet und eine schwere Last für die kubanische Bevölkerung bedeutet.
Zur gleichen Zeit fand auch das chinesisch-sowjetische Zerwürfnis statt. So musste sich Kuba entscheiden, ob die Sowjetunion oder die Volksrepublik China künftig Verbündeter sein sollte. Staatschef Fidel Castro entschied sich für die Sowjetunion aufgrund der technischen, wirtschaftlichen und militärischen Überlegenheit. Che Guevara, welcher zu dieser Zeit von Nationalbankchef zu Industrieminister gewechselt hatte, tendierte zur Volksrepublik China. Damit begann eine grosse Debatte in Kuba. Nach mehreren Jahren heftiger Auseinandersetzungen zwischen den unterschiedlichen wirtschaftlichen und politischen Sichtweisen wurde endgültig der sowjetische Weg gewählt. Che Guevara beschloss anschiessend, antikoloniale Bestrebungen in verschiedenen Ländern zu unterstützen.

Reformen der 1980er
Die kubanische Revolution konnte erfolgreich soziale Ungleichheit, Patriarchat, Sexismus und Rassismus bekämpfen. Der Kampf gegen Homophobie dauerte jedoch länger: In früheren Phasen der Revolution wurden Homosexuelle als arbeitsscheu und unrevolutionär denunziert und zur Arbeit gezwungen. Dies änderte sich in den 1980ern völlig: Fidel Castro entschuldigte sich persönlich für dieses Verbrechen und kündigte den gegenteiligen Kurs an, nämlich einen beispiellosen Einsatz für die Rechte von Homosexuellen und LGBQT-Rechten im allgemeinen.
Die Wirtschaft begann in den 1980ern, ähnlich wie in der Sowjetunion zu stagnieren. Ein neuer Kurs wurde nötig. Die Regierung beschloss, einen Weg ähnlich wie denjenigen Che Guevaras einzuschlagen: Durch eine stärkere Zentralisierung der Planwirtschaft mit zugleich stärkeren Investitionen in Technologie konnte das Wirtschaftswachstum Kubas beschleunigt werden. Die Landwirtschaft wurde zudem auch vollkommen in Kollektiven organisiert, welches die Mechanisierung und Massenproduktion beschleunigte.

Die Sonderperiode
Trotz Erfolgen in den 1980ern war die kubanische Wirtschaft vom Handel mit der Sowjetunion abhängig. Als die Sowjetunion 1991 zerfiel, brach die kubanische Wirtschaft ein. Die sogenannte Sonderperiode begann: Die Wirtschaftsleistung sank um 30 Prozent, die Staatsausgaben konnten nicht mehr bedient werden. Nichtsdestotrotz wurden die kubanischen Sozialprogramme in Bildung und medizinischer Versorgung aufrechterhalten. Diese konnten sogar ausgeweitet werden.
Das zentralistische Modell der 1980er konnte nicht mehr finanziert werden, was zu einer starken Dezentralisierung der Wirtschaft führte: Staatliche Landwirtschaftsbetriebe wurden zu Genossenschaften umstrukturiert, Kleinunternehmen zugelassen und der Verwaltung der Staatsbetriebe Autonomie gewährt.

Neue Reformen
Die kubanische Wirtschaft konnte sich in den frühen 2000ern erholen. Bereits 2004 wurde das Produktivitätsniveau von 1989 wieder eingeholt werden. In Osteuropa dauerte dies meist viel länger. Zudem wurde eine Demokratisierung des politischen Systems angestrebt: KandidatInnen für die Regierung wurden nicht mehr von der Kommunistischen Partei Kubas gestellt. Das heisst, dass WahlkandidatInnen für das Parlament in Kuba von lokalen Volksversammlungen gestellt werden, nicht von einer politischen Partei, auch nicht von der KP Kubas. In der Praxis sind jedoch alle Parlamentsmitglieder Mitglied der Kommunistischen Partei, da diese am besten im politischen System vernetzt sind. Zeitgleich wurden zahlreiche politische Gefangene befreit und ein Hinrichtungsstopp proklamiert.
Das Wirtschaftswachstum von Kuba war im Vergleich zur Volksrepublik China oder der Sozialistischen Republik Vietnam jedoch noch sehr bescheiden. Während die letzteren mit einem Wachstum von 7 bis 9 Prozent pro Jahr verzeichnen konnten, belief sich dieses in Kuba lediglich bei 2 bis 3 Prozent pro Jahr. Aus diesem Grund wurden neue Reformen beschlossen.
Die neuen wirtschaftlichen Reformen wurden hauptsächlich von Fidel Castros jüngerem Bruder und Nachfolger Raúl Castro angestossen. Diese waren an der Vorgehensweise der Volksrepublik China orientiert, aber beinhaltete auch kubanische Eigenheiten. Eine Sonderwirtschaftszone (offen für Auslandsinvestitionen) wurde in Havanna geöffnet, Kleinunternehmen und Gemeinschaftsunternehmen mit ausländischen Firmen gefördert, aber auch eine Ausweitung von Produktionsgenossenschaften (Betriebe, die im Besitz der dort Arbeitenden sind) auf alle Wirtschaftsbereiche. Auch biologische Landwirtschaft erhielt hohe Aufmerksamkeit.
Parallel dazu wurden vertiefte Beziehungen mit den neuen linksgerichteten Regierungen in Südamerika aufgenommen. Eine friedliche Annäherung an die USA wurden ebenfalls angestrebt in der Hoffnung, das jahrzehntealte Handelsembargo aufzuheben. Die Annäherung an die USA wurde jedoch seit der Wahl der gegenwärtigen US-Regierung stillgelegt.

Eric, KJ Zürich