Kommunistische Jugend Schweiz

«Breaking the Silence»: Aus Sicht der SoldatInnen

BreakingSilence
«AraberInnen in die Gaskammern!» Geschmacklose Graffiti von jüdischen SiedlerInnen in Hebron.

Die Ausstellung «Breaking the Silence» hat einigen Wirbel verursacht. Sie verbreite Desinformation, Propaganda und eine Ideologie des Hasses, lautete die Anklage. Dabei wurde bloss die völkerrechtswidrige Besatzung Palästinas durch Israel angeklagt.

Die proisraelischen Kreise in der Schweiz sind über die Ausstellung «Breaking the Silence» (BtS) empört. «Wir verurteilen die Förderung der BtS-Ausstellung mit öffentlichen Geldern durch das EDA und das Zürcher Finanzdepartement aufs Schärfste und erwarten für die Zukunft eine sorgfältigere Prüfung von Projekten und den dahinterstehenden Organisatoren, bevor Steuergelder von Schweizer Bürgern dazu missbraucht werden, Desinformation, Propaganda und politische Ideologien des Hasses und der Ausgrenzung zu finanzieren», lässt die Parlamentarische Gruppe Schweiz-Israel mit Entrüstung verlauten. Für Shella Kertesz, Co-Präsidentin der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich, ist der Grund, warum die Stadt Zürich BtS nicht finanzieren sollte: «Es ist keine kulturelle Ausstellung, sondern eine politische.» Nicht zuletzt hat sich auch der israelische Botschafter höchstpersönlich in die Angelegenheit eingemischt und beim Eidgenössischen Aussendepartement protestiert. Soviel Feindseligkeit wegen einer kleinen Ausstellung in Zürich?

«Du kümmerst dich nicht mehr darum»
Die Ausstellung «Breaking the Silence» zeigt die israelische Besatzung Palästinas aus Sicht der israelischen SoldatInnen, die diese Besatzung aufrechterhalten müssen. Konkret wurden Fotos gezeigt, die von den SoldatInnen während ihrem Einsatz gemacht wurden. Es sind Schnappschüsse und Erinnerungsfotos, die den Alltag in einer permanenten Ausnahmesituation wiedergeben. Unter den Fotos waren Texte zu lesen; es handelte sich dabei weniger um Bildlegenden als um Assoziationen und Erinnerungen an die Situationen, in denen die Bilder entstanden sind: «Ich dachte, ich wäre immun. Oder besser gesagt, wie kann jemand wie ich, ein denkender, gebildeter, ethischer, moralischer Mensch – Jedenfalls dachte ich so von mir. Und plötzlich merke ich, dass süchtig werde danach, Menschen herumzukommandieren.»
An der Ausstellung gab es die Gelegenheit, von einem ehemaligen Armeeangehörigen begleitet zu werden und dabei den Alltag der Besatzung aus erster Hand vom Standpunkt der BesatzerInnen zu hören: «Wir schauen direkt in ihre Wohnungen, in ihr Leben. Wir überwachen sie die ganze Zeit, egal ob sie Terroristen sind oder nicht. Zu den alltäglichen Aufgaben eines israelischen Soldaten gehört: wahllos Häuser von palästinensischen Zivilisten durchsuchen. Die Betonung liegt auf Zivilisten. Gibt es den Verdacht, dass das Haus einem Terroristen gehört, dann sind Spezialeinheiten dafür zuständig. Zweck dabei ist, die Leute einzuschüchtern. Dahinter steckt die Denkweise, dass, wenn du sie alle in Angst versetzt, sie sich nicht trauen, dich anzugreifen.»
Besonders der Einsatz auf den Checkpoints hat Eindruck auf Ido Even Paz gemacht: «Wartende Palästinenser, gefesselte Palästinenser mit verbundenen Augen, das ist ein normales Bild auf den Checkpoints. Mit der Zeit kümmerst du dich nicht mehr darum.
Die meisten Checkpoints liegen in der Westbank und trennen Palästinenser von anderen Palästinenser. Dadurch können sie kontrolliert werden: wo sie sind, wohin sie sich bewegen. Pro Checkpoint sind fünf bis sechs Soldat stationiert. Ich war selbst auf einem Checkpoint im Einsatz. Man hat ständig Angst, weil man nie wissen kann, wer ein Terrorist ist. In meinen Augen war jeder ein Terrorist, eine Bedrohung. Ich brauchte, man braucht lange, um die Dinge, die während der Dienstzeit geschehen, zu verarbeiten.»

«Ich liebe Israel»
Auf die Frage, ob er den Boykott Israels unterstützen würde, erhielten wir von Ido die etwas überraschende Antwort: «Die Frage ist schwierig für mich zu beantworten. Ich liebe mein Land, ich liebe Israel. Deshalb würde ich sagen: Nein, weil ein Boykott meinem Land schadet.»
Eine einseitige Darstellung kann man dies nicht nennen. Beispielsweise war auch das Foto mit einem Denkmal für ein getötetes Mädchen zu sehen. Kritisiert wurde dabei nicht, dass für ein einzelnes getötetes israelisches Mädchen ein ganzes Denkmal errichtet wurde, während für getötete PalästinenserInnen wohl weniger Aufhebens gemacht wird, sondern dass der Soldat, der sich daneben ablichten liess, «fun» hatte. Auch die undifferenzierte Verwendung des Begriffs «Terrorist» hat irritiert. Was damit gemeint sei, wieso deren Existenz militärische Gewalt rechtfertige, darüber wurde nicht aufgeklärt.
Die heftigen Angriffe gegen die Ausstellung seitens der proisraelischen Organisationen waren unberechtigt. Man hätte sich vielleicht sogar etwas mehr Kritik am israelischen Staat wünschen können.

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