Kommunistische Jugend Schweiz

«Syrien wird nicht niederknien»

International Communist Press. Die Armee hinter Assad konnte in letzter Zeit mit tatkräftiger Rückendeckung Russlands einige Erfolge gegen den Islamischen Staat (IS) vermelden. Ein Gespräch mit Wessam Kahel, Mitglied des Komitees für internationale Beziehungen des Syrischen Kommunistischen Jugendverbands.

Wie schätzt du die Dynamik und die gegenwärtige Position der Menschen in Syrien ein?
Wessam Kahel: Die syrische Armee konnte kürzlich in verschiedenen Orten Erfolge verbuchen. Der Süden von Aleppo zum Beispiel wird nun von der syrischen Armee kontrolliert und die reaktionären RebellInnen sind vertrieben worden. Der starke und schnelle Vorstoss der Armee wurde von Russland unterstützt. Mehr als 75 Stellungen südlich von Aleppo werden mittlerweile von der syrischen Armee kontrolliert. Nicht die Stadt, aber die Umgebung. In einigen kleineren Städten hat die Armee die RebellInnen in wenigen Stunden vertrieben. Wir sind sehr überrascht von diesem schnellen Vorstoss. Auch im Westen von Aleppo gab es wichtige Erfolge im Kampf gegen den IS, und es gab wichtige Vorstösse gegen Al-Raqqah, der sogennanten Hauptstadt des IS.
Westlich von Damaskus, das unter der Kontrolle der Regierung steht, ist die Islamische Front, ein Bündnis, das von Saudi-Arabien finanziert wird, stark. Der Anführer der Organisation, Zehran Hallush, wurde in einer Operation von Syrien und Russland getötet. Das stellt ganz klar ein Problem dar für diese Organisation, weil sie von dieser Person abhing, nicht von einer Ideologie.
Südlich von Damaskus, in der Nähe von Jordan und Israel, wo die Al-Nusra-Front stark ist, konnte die syrische Armee die Kontrolle über einige grössere Städte und wichtige Ortschaften gewinnen. In Homs, das etwa in der Mitte von Syrien liegt, wurden die RebellInnen von der syrischen Armee umzingelt, bekämpft und aus der Stadt vertrieben. Homs ist befreit, ebenso die ländlichen Gebiete Richtung Libanon.

Wie steht es mit Palmyra?
Es gab eine grosse Attacke von Hunderten bis Tausenden RebellInnen gegen diese kleine Stadt. Die Stadt ist wichtig vor allem wegen ihrer historischen Bedeutung. Die syrische Armee musste sich hier zurückziehen, damit die antiken Artefakte nicht zerstört werden. Momentan gibt es aber wichtigere, grössere Städte, um die sich die Armee kümmern muss.
Die Stadt wurde leider trotzdem zum Teil verwüstet. Wie du weisst, haben der IS und verbündete Organisationen keine Menschlichkeit, keine Vernunft. Sie töten und kämpfen und zerstören alle historischen Werke, weil sie eine reaktionäre Organisation sind mit einer reaktionären, man kann auch sagen, mit einer faschistischen Ideologie.

Wie schätzt ihr als KommunistInnen, die unter diesen schwierigen Umständen arbeiten, die russische Intervention ein und die Rolle der Hisbollah oder des Iran, die sagen, dass sie sich dem US-Imperialismus entgegensetzen?
Uns ist klar, das Russland jetzt ein kapitalistisches Land ist, es ist nicht mehr die Sowjetunion. Aber wir wissen auch, dass der eigentliche Feind momentan der US-Imperialismus ist und dass wir für jetzt gegen ihn kämpfen müssen. Wir schätzen die russische Intervention positiv ein, weil es der syrischen Armee und dem syrischen Volk mehr und mehr Macht gibt gegen die Organisationen, die gegen unser Volk und unsere Armee kämpfen.
Seit ihrem Beginn war die Militärintervention legitim, weil die syrische Regierung Russland die Erlaubnis dazu gab. Deshalb können wir nicht von einer Invasion oder einem Angriff sprechen. Sie hat viel geholfen. Von Anfang an hatte sie positive Auswirkungen, die syrische Armee konnte wichtige Fortschritte erzielen. Eine ähnliche Rolle haben die Hisbollah und der Iran gespielt. Durch die militärische Unterstützung konnte die Position der syrischen Armee und des syrischen Volkes verbessert werden. Wir glauben, dass es bisher sehr positiv für uns war, weil es uns im Kampf gegen den imperialistische Angriff unterstützt und uns Zeit gibt.

Wie steht es mit den Aktivitäten des Jugendverbands? Wir nehmen an, dass ihr euch aktiv an der Verteidigung des Landes beteiligt. Heute ist es eine reaktionäre Position, gegen Assad zu sein, aber eines Tages wird sich das ändern. Kannst du uns über die zukünftige Strategie eurer Organisation aufklären?
An einigen Orten können wir nichts machen, dort heisst es «flüchten oder sterben». Dort nehmen wir Stellung zusammen mit der Armee und es gibt keine eigene Aktivitäten. Aber an Orten, die von der Regierung, der syrischen Armee kontrolliert werden, sind wir aktiv wie vor dem Krieg. Ich kann unsere Aktivitäten in zwei Gruppen einteilen: Die eine Gruppe steht unter dem Leitspruch «Syrien wird nicht niederknien», der von unserem ehemaligen Anführer Halid Bakdash vor vielen Jahren formuliert wurde. Dieser patriotische Leitspruch gilt für uns bis heute. Und damit führen wir unseren Kampf: Wir unterstützen die Armee und das syrische Volk. Wir teilen diesen Leitspruch nicht nur mit den KommunistInnen, unserem Verband oder unserer Partei, sondern auch mit anderen wichtigen nationalen Kräften. Wir betrachten dies nicht nur als eine nationale Pflicht, eine Pflicht unserer Klasse, sondern auch als internationale Pflicht, weil Syrien im Moment den internationalen Kampf gegen den globalen imperialistischen Angriff repräsentiert.
Die zweite Gruppe steht unter dem Leitspruch der «Verteidigung der Rechte der syrischen Jugend». Er ist verbunden mit unserem wirtschaftlichen und sozialen Kampf gegen den ökonomischen Liberalismus unserer Regierung. Wir sind gegen die liberalen Angriffe der Regierung im Gesundheitsbereich, in der Bildung, überall. Wir versuchen, die Errungenschaften im Gesundheitsbereich, in der Bildung und in anderen Gebieten zu verteidigen. Genauso kämpfen wir immer noch für sozialere und progressivere Rechte beim Wohnen und bei der Beschäftigung der jüngeren Generationen. Und wir unterstützen die Verstaatlichung der Produktion im Land, weil wir glauben, dass dies ein wichtiger ökonomischer Faktor zur Unterstützung Syriens ist.
Wir machen auch andere Dinge. Vor dem Krieg veranstalteten wir regelmässig ein zentrales Festival für das ganze Land. Aber jetzt, aufgrund der gegenwärtigen Situation, ist es lokal geworden. Eine andere Aktivität sind die jährlichen kulturellen Treffen, zu denen wir progressive KünstlerInnen und MusikerInnen einladen. Wir sind auch an den Universitäten, vor allem in Damaskus und Aleppo, und in den syrischen Studentenverbänden präsent. Innerhalb der Organisation veranstalten wir Diskussionen und Analysen zu aktuellen Themen. Kurz: Wir versuchen, unseren Kampf fortzusetzen trotz dem Krieg, und wir werden niemals aufgeben!

Schreibe einen Kommentar