Kommunistische Jugend Schweiz

Marxistische Erkenntnistheorie

Erkennbarkeit der Welt – Marxistische Erkenntnistheorie
Erkennen ist eine besondere Art der bewussten Widerspiegelung der objektiven Welt im gesellschaftlichen Bewusstsein, die sich durch charakteristische Merkmale auszeichnet. Worin bestehen sie? Erkennen ist theoretische Aneignung der objektiven Welt, dass heisst eine Widerspiegelung, die sich auf die wesentlichen Eigenschaften, die allgemeinen Strukturen und die Gesetzmässigkeiten der objektiven Welt richtet. Ihr Ziel ist, möglichst exakte gedankliche Abbilder dieser Eigenschaften, Strukturen und Gesetzmässigkeiten zu gewinnen und diese in Form von Begriffen, Gesetzesaussagen, Formeln, Hypothesen, Theorien usw. zu einem gedanklichem Modell von Bereichen der Natur und Gesellschaft zu verarbeiten. Die stimmigen Abbilder von wesentlichen Eigenschaften, Strukturen und Gesetzmässigkeiten der objektiven Welt, die Erkenntnisse, dienen den Menschen als theoretische Grundlage ihrer zweckmässigen Tätigkeit. Sie ermöglichen es ihnen, diese Eigenschaften, Strukturen und Gesetzmässigkeiten zum Zweck der planmässigen Veränderung und Beherrschung von Naturprozessen und Gesellschaftsprozessen praktisch auszunutzen und anzuwenden. „Wie verhalten sich unsere Gedanken über die uns umgebende Welt zu dieser Welt selbst? Ist unser Denken imstande, die wirkliche Welt zu erkennen, vermögen wir in unsern Vorstellungen und Begriffen von der wirklichen Welt ein richtiges Spiegelbild der Wirklichkeit erzeugen? Diese Frage heisst in der philosophischen Sprache die Frage nach der Identität von Denken und Sein und wird von der weitaus grössten Zahl der Philosophen bejaht… Daneben gibt es aber noch eine Reihe andrer Philosophen, die die Möglichkeit einer Erkenntnis der Welt oder doch einer erschöpfenden Erkenntnis bestreiten… Die schlagendste Widerlegung dieser wie aller andern philosophischen Schrullen ist die Praxis, nämlich das Experiment und die Industrie. Wenn wir die Richtigkeit unsrer Auffassung eines Naturvorgangs beweisen können, indem wir ihn selbst machen, ihn aus seinen Bedingungen erzeugen, ihn obendrein unsern Zwecken dienstbar werden lassen, so ist es mit dem Kantschen unfassbaren ‘Ding an sich’ zu Ende” (F. Engels, „Ludwig Feuerbach…”). „The proof of the pudding is in the eating. In dem Augenblick, wo wir diese Dinge, je nach den Eigenschaften, die wir in ihnen wahrnehmen, zu unserm eignen Gebrauch anwenden, in demselben Augenblick unterwerfen wir unsre Sinneswahrnehmungen einer unfehlbaren Probe auf ihre Richtigkeit oder Unrichtigkeit. Waren diese Wahrnehmungen unrichtig, dann muss auch unser Urteil über die Verwendbarkeit eines solchen Dings unrichtig sein, und unser Versuch, es zu verwenden muss fehlschlagen. Erreichen wir aber unsern Zweck, finden wir, dass das Ding unsrer Vorstellung von ihm entspricht, dass es das leistet, wozu wir es anwandten, dann ist dies positiver Beweis dafür, dass innerhalb dieser Grenzen unsre Wahrnehmung von dem Ding und von seinen Eigenschaften mit der ausser uns bestehenden Wirklichkeit stimmen” (F. Engels „Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft”).