Kommunistische Jugend Schweiz

Kampf den Studiengebühren – schon wieder!

Nun sollen auch die ETH-Studis mehr zahlen. Die Leitungen der ETH in Zürich und Lausanne fordern nicht nur eine Erhöhung, sondern gleich die Verdopplung der Studiengebühren. Als Kommunistische Jugend Zürich stellen wir uns gegen diesen Angriff auf die Studis und insbesondere auf Kinder aus Arbeiterfamilien.

Bis 2016 sollen an der ETH die Studiengebühren verdoppelt werden. Dann dürften Studis den stolzen Preis von 1’250 Franken pro Semester berappen; Migranten und Migrantinnen werden sogar 1’500 Franken aufgebürdet. Der Effekt ist genauestens einkalkuliert: Die Fernhaltung von Arbeiterkindern von den Universitäten und Hochschulen.

Dabei macht sich die ETH-Leitung gleich selbst lächerlich. Zunächst entsprechen die «zusätzlichen Einnahmen» gerade mal 1.5% jener Ausgaben, die der Bund der Hochschule zur Verfügung stellt. Niemand kann damit ernsthaft behaupten, dass die Universität durch die Studiengebühren finanziert wird.

Erstaunlich offen ist die Hochschulleitung auch dann, wenn sie argumentiert, dass «der Schweizer Arbeitsmarkt alle unsere Studierende sofort [abnimmt] und noch mehr aufnehmen [könnte].» Wenn dem so ist: Besteuern wir besser die Patrons, Chefs und Monopole stärker, um die Uni zu finanzieren. Im Gegensatz zu Teilen der Studierendenschaft verfügt das grosse Kapital über genügend «zusätzliches Geld».

Aber natürlich geht es nicht darum. Studiengebühren finanzieren nicht die Universität, Studiengebühren erhöhen nicht die Qualität der Ausbildung. Sie sind einzig und allein ein Mittel, um die Bildungsprivilegien der herrschenden Klasse und ihrer Kinder zu sichern. Wo die Studiengebühren erhöht werden, sollen die Arbeiterkinder aus der Uni verdrängt werden. Jetzt also auch in den ETH. Natürlich stemmt sich die Kommunistische Jugend Zürich gegen diesen Angriff auf die Studierenden.

Zürich, 23. Mai 2012

Kommunistische Jugend Zürich

Auskunft:

zuerich@kommunistischejugend.ch

3 Kommentare

  1. Eine mögliche Analyse der Gründe der Studiengebührenerhöhung anhand folgender (teilweise) falscher Analyse:

    http://kommunistischejugend.ch/?p=1195
    <>

    Diese Bildungspolitik wird nicht von der Bourgeoise bzw. dem Kapital gefahren, um „ArbeiterInnenkinder von der Uni fernzuhalten“. Diese Politik ist mMn ein einfach notwendiger Schritt weitere Märkte für das Kapital zu erschliessen bzw. zu erschaffen.

    Durch die weit fortgeschrittene Globalisierung, kann das Kapital nicht mehr wie früher neue Absatzmärkte durch die Globalisierung, also durch die geografische Expansion, erschliessen. Eine (zeitweilige) Lösung für dieses Problem bietet der Neoliberalismus, welches mMn eine „soziale Expansion“ der kapitalistischen Logik darstellt.

    Gemeingüter wie Wasser, Service Public, Gesundheitsversorgung etc. und aber auch die Bildung werden fit gemacht für die Privatisierung. D.h. diese Bereiche werden fit gemacht dafür, dass Private bzw. die Bourgeoise einen neuen Markt haben, wo sie das Kapital investieren können und Profite machen können.

    Dafür muss die Bildung einen „Warencharakter“ bekommen und unter diesem Gesichtspunkt muss man mMn die Bolognareform und die einhergehnden Gebührenerhöhungen verstehen werden.

    Der Bolognaprozess schafft ein Universitätssystem, wo die Leistung quantitativ gemessen (ECTS-Punkte) und somit potenziell „getauscht“ werden kann.
    Die Koppelung der (Studien)gebühren an die ECTS-Punkte/Semester und an die Studiendauer werden bereits diskutiert.

    Die GATS-Verträge, welche die Schweiz auch bezüglich des Bildungs“marktes“ unterzeichnet haben, sehen eine „Liberalisierung“ des Hochschulmarktes vor, welche in der Schweiz auch bereits sehr fortgeschritten ist insbesondere auf dem Fachhochschulmarkt.

    Damit diese Hochschulen aber mit den staatlichen Hochschulen kompetieren können, müssen die Gebühren an den staatlichen Hochschulen teurer werden. Damit der Markt nicht mehr „verzerrt“ ist.

    Zudem ermöglicht das ECTS-Punkte-System und die somit standartisierten Abschlüsse im „Idealfall“ (der neoliberalen Bildungspolitiker) einen reibungslosen Wechsel von staatlichen zu privaten Hochschulen, was auch eine Voraussetzung für einen Bildungs“markt“ darstellt.

    Zudem muss man auch noch bedenken, dass staatliche Bildungsausgaben indirekt auch die Profitrate der Bourgeoise schmälert. Je mehr die Studis bezahlen, desto weniger müssen die UnternehmenR über Steuern bezahlen, d.h. die Profitrate ist höher (analog dazu die anderen Sozialausgaben). Da ist es also egal, ob die zusätzlichen Einnahmen nur 0.5% des Budget ausmachen. Ein ganz klein wenig steigert es die Profitrate im Endeffekt trotzdem. Wobei das aber nicht bedeuten soll, dass man dieses Argument nicht aus taktischen Überlegungen so verwenden kann.

    Diese Entwicklungen dürfen mMn aber nicht personifiziert und vermoralisiert werden. Diese Entwicklungen sind eine Folge des kapitalistischen Wirtschaftsystems, welches ständig neue Absatzmärkte erschlisessen muss und nicht eine gierige Bourgeoise-Elite, welche böse Menschen sind und nur ihre eigenen Kinder bevorteilen wollen!
    Diese moralische Argument „die Bourgeoise hält die ArbeiterInnenkinder von der Uni fort, weil sie ihre Bildungsprivilegien bewahren möchte“ erinnert mich dann leider eher an Verschwörungstheorien.
    Die Probleme des Kapitalismus sind ja genau im System innewohnend. (Wobei ich nicht ausschliessen möchte, dass es viele in der Bourgeoise mit einem Klassenbewustsein gibt, aber dies ist nicht das Kernproblem)

    Dass diese Politik eine zunehemende ausschliessende Wirkung gegenüber der ArbeiterInnenklasse hat, ist eine >FolgenichtZiel<. Dies darf nicht verwechselt werden.
    Die "Bourgeoise" hat nämlich im Gegenteil sehr wohl ein Interesse daran die schlausten Köpfe der ArbeiterInnenklasse zu fördern, aus rein ökonomischen Überlegungen. Zudem hat die Einbindung der schlausten und fähigsten Köpfe sehr wohl auch die Folge, dass die ArbeiterInnen möglicher AnführerInnen beraubt wird und der Glaube ans System aufrecht erhalten bleibt.
    Deswegen werden mit der Zunahme der (Studien)gebühren sicherlich auch staatliche oder viel eher privatwirtschaftliche Mechanismen dafür Sorgen, dass die schlausten Köpfe trotzdem noch eine Hochschulbildung genissen können.

    Also heraus zur Demo am Donnerstag!
    Gegen die Privatisierung der Bildung!
    Also
    Gegen das Kapital!
    Für eine freie und emanzipatorische Bildung!
    Also
    Für den Kommunismus! 😉

  2. Also, wenn ich den Text richtig verstehe, dann ist die These ja, dass Studiengebühren und Bologna eine innere Notwendigkeit der Entwicklung «Warencharakter der Bildung» sind.

    Ich find die These spannend; aber ich bin mir da nicht sicher, ob sie richtig ist.
    Die Bildung hat ja nun lange Zeit einen Warencharakter. Die Bücher, die wir lesen – das sind erstellte, gedruckte, gekaufte Bücher; Bücher also, mit denen auf der einen oder anderen Seite Profit gemacht wurde. Die Mittel der Bildung, es sind Waren – hier hat die Bildung bereits einen Warencharakter, nicht erst seit gestern.

    Aber es stimmt schon, es gibt den verstärkten Drang in diesen Sektor. Ganz neue Bereiche werden erschlossen – wir haben ja teils sogar eine «Hausaufgaben-Betreuungs-Industrie».

    Was mich aber zweifeln lässt, ob die These insgesamt richtig ist, das ist folgendes:
    Deutschland ist in Europa ja die treibende imperialistische Kraft, eines der am weitesten fortgeschrittenen imperialistischen Länder. Viele Entwicklungen zeichnen sich auch zuerst in Deutschland ab oder werden von Deutschland vorangetrieben. Im Bildungsbereich etwa die geplante völlige Zerschlagung der «Berufslehre». (Ein Thema, das noch zu selten diskutiert wurde…)

    Natürlich führt Deutschland auch den Bolognaprozess durch. Aber gleichzeitig wurden in Deutschland in den letzten Jahren und werden noch immer die Studiengebühren abgeschafft.

    Und deshalb lehne ich mich aus dem Fenster und sage mal:
    Studiengebühren und Bologna – das sind _nicht_ zwei Seiten der ganz neuen Medaille „Warencharakter der Bildung“. Offensichtlich kann es das eine ohne das andere geben; Bologna bedingt Studiengebühren nicht; Studiengebühren kann es auch ohne Bologna geben (oder nicht).

    Wenn das aber keine innere Notwendigkeit der Entwicklung ist – was sind Studiengebühren dann?
    Naja, da landen wir dann wieder beim Ausgangspunkt. Studiengebühren haben den Effekt, Studis vom Studium auszuschliessen. Und da könnte man sich schon fragen, ob der Effekt nicht auch Ursache für ihre Einführung/Erhöhung ist.
    Meiner Meinung (im Moment: KJ-Meinung) nach: ja.

  3. Guten Tag zusammen,

    mich nimmt wunder, wie denn die Geschichte mit den Studiengebühren, die Demo und wie sich die Zahl von Arbeiterkinder prozentual nach allfälliger Erhöhung dieser Gebühren an der ETHZ verändert haben wird.

    Gute Grüsse

    Mischa
    und… auf in den Kampf.

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