Kommunistische Jugend Schweiz

«Eine Kampagne des Hasses»

Abgerissene Poster, Hass-Emails und Bibelzitate: Am renommierten CERN in der Nähe von Genf werden LGBT-Mitarbeitende wiederholt zum Opfer von Mobbing.

Am Kernforschungseinrichtung Cern in Meyrin in der Nähe von Genf sorgten in den letzten Wochen für einmal nicht neue Erkenntnisse der Physik für Aufregung. Es wurde bekannt, dass das Netzwerk für Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle am Cern (LGBT Cern) seit Jahren regelmässig Ziel von Homophobie wurde. Wie die «Sunday Times» berichtete, gab es die Probleme mit homophoben Angriffen seit der Gründung des Netzwerkes im Jahr 2010. LGBT Cern erhält regelmässig hasserfüllte E-Mails und immer wieder wird die Infotafel des Netzwerkes mit entwürdigenden Graffiti beschmiert. Laut «Sunday Times» kam es auch zu verbalen Angriffen.
Ein Wissenschaftler wurde kürzlich gebüsst, nachdem er auf den Bildern der Überwachungskameras beim Beschmieren von Posters ertappt wurde, allerdings wird angenommen, dass noch weitere Angestellte des Cern beteiligt sind. Wörter wie «Schwein» sind auf Postern aufgetaucht. Auf anderen wurde das berüchtigte Levitikus-Bibelzitat aus dem Alten Testament gekritzelt, das besagt, dass ein Mann, der mit «einem Mann wie mit einer Frau schläft», eine «Gräueltat» begangen hat und mit dem Tode bestraft werden soll. «Der wiederholte Vandalismus an unseren Plakaten ist eine Kampagne des Hasses und der Intoleranz und ist inakzeptabel», sagt Aidan Randle-Conde, ein britischer Forscher und Mitgründer von LGBT Cern gegenüber der «Sunday Times».

Noch nicht strafbar
Die Institutsleitung spricht von sechs Vorfällen seit 2011, bei zwei davon wurden Disziplinarmassnahmen getroffen. Scheinbar war das Problem letzten Sommer so gross, dass der Generaldirektor Rolf Heuer die Vorfälle im Cern-Bulletin ansprechen musste: «Solches Verhalten steht ganz klar im Widerspruch mit unseren Richtlinien und die Täter werden – sobald sie identifiziert sind – mit entsprechenden Konsequenzen rechnen müssen.» Heuer forderte seine Mitarbeitende dazu auf, ihren NachbarInnen mit Respekt zu begegnen, ungeachtet ihrer individuellen Unterschiede. «Dieses Vorgehen ist Teil der Identität des Cerns. Es ist Teil unserer Menschlichkeit.»
In der Schweiz macht sich strafbar, wer öffentlich gegen eine Person oder eine Gruppe von Personen wegen ihrer Rasse, Ethnie oder Religion zu Hass oder Diskriminierung aufruft, wer öffentlich entsprechende Ideologien verbreitet, die auf eine systematische Herabsetzung gerichtet sind, oder wer jemandem aus diesen Gründen eine Leistung verweigert. Für die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung gilt die Strafnorm nicht. Allerdings hat der National- sowie der Ständerat im Frühling 2015 einer entsprechenden parlamentarischen Initiative zugestimmt, sodass wohl irgendwann mit einer Anpassung gerechnet werden kann.
Das Image von Cern, einem Institut, das renommierte WissenschaftlerInnen aus aller Welt anzieht, hat unter den Vorfällen gelitten, besonders innerhalb der internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft. In einem Blogeintrag schreibt das LGBT-Netzwerk: «In einem Forschungszentrum mit Tausenden von Menschen aus jeder Altersgruppe und aus aller Welt erstaunt es nicht, dass eine kleine

Schreibe einen Kommentar